Plastik in der Lagune

Turbinaria ornata, auch bekannt als „Braunalge“

Von Zeit zu Zeit bildet sich, durch die Strömungen in der Lagune bedingt, eine Art Teppich. Dieser besteht zum Großteil aus der Alge Turbinaria ornata sowie Laub und Holzstücken. Bei genauerem hinsehen allerdings sehen wir auch bunte Teilchen darin treiben und je länger wir das ganze beobachten werden die Teilchen zu Teilen und es sind gar nicht so wenige, die Plastikabfälle des Menschen.

Da wir an diesem Tag das „Glück“ hatten, dass der schwimmende Teppich genau an Sagitta am Ankerplatz vorbeitreibt, begannen wir die Plasikteile aus dem Wasser zu fischen und diese im Dinghy zu sammeln. Hauptsächlich sind es die immer wieder thematisierten Einwegbehälter wie Getränkeflaschen in allen Größen und Farben, Schalen von Take-Away-Food, Hartplastikverpackungen von Eis, Kanister von Motoröl und Putzmitteln, Trinkbecher, Flip-Flops und immer wieder Einwegtüten. Eine Mischung aus Wut und Traurigkeit begleitet diese etwa halbstündige Sammelaktion. Wir reduzieren später das Volumen weitestgehend indem wir kleine in große Teile schichten und die Luft aus Flaschen und Kanistern drücken und füllen einen 50 Liter Müllsack, der das Gewicht mit Mühe tragen konnte.

Aber wie kommt der Abfall ins Wasser? Die Menschen leben und arbeiten hier mehr draußen als drinnen und viele leben auch unmittelbar am Wasser. Sie haben Terrassen mit Sofas, oftmals auch die Küche draußen und das Kinderspielzeug. Wenn Wind aufkommt fliegt schon mal was weg, ein leichter Blumentopf, eine leere Flasche oder die berühmte Plastiktüte. Dem Fischer fällt das Feuerzeug aus der Hosentasche ins Wasser und dem Passagier des Boottaxis die Corona-Maske. Blöderweise kann man diese Dinge nicht mehr so leicht zurückholen. Und so treiben sie im Wasser und sammeln sich sichtbar in größerer Menge im Braunalgenteppich, den die Strömung bündelt.

Das Recyclingsystem in Französisch Polynesien ist in den letzten Jahren mit Sortierstationen aufgerüstet worden. Das Reduzieren von Einweg-Plasiktüten und Gemüsebeuteln hat den Einkauf etwas umweltfreundlicher gemacht und es eröffnen auf den kaufkräftigeren Inseln nach und nach eine Art „unverpackt“-Läden. Refill-Stationen finden sich für Putz-und Waschmittel in diversen Supermärkten wo man in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen kann. Es gibt immer wieder Reinigungsaktionen an Stränden und Uferabschnitten, auf Wanderwegen oder in gesamten Dorfgebieten. Allerdings ist das Sortiment an Plastik als Produkt selbst oder als Verpackung in den Märkten scheinbar grenzenlos, in Mitteleuropa wie auch hier. Das gute Gefühl, Plastik in den gelben Sack oder in die Trennstation sortiert zu haben hilft der Natur nicht viel. Wir Konsumenten könnten überlegen, welcher Kauf wirklich notwendig ist oder ob eine Alternative zu Plastik existiert.

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